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PÄPSTLICHER RAT FÜR DIE
SOZIALEN KOMMUNIKATIONSMITTEL
PORNOGRAPHIE UND GEWALT
IN DEN KOMMUNIKATIONSMEDIEN -
EINE PASTORALE ANTWORT
EINFÜHRUNG
1. In den letzten Jahren ist es weltweit zu einer Umwälzung beim
Verständnis moralischer Werte gekommen, verbunden mit tiefreichenden
Wandlungen in der Art, wie die Menschen denken und handeln. Bei diesem
Prozeß des individuellen und sozialen Wandels haben die
Kommunikationsmedien eine größere Rolle gespielt und tun es weiter, weil
sie neue Haltungen und Lebensstile einführen und widerspiegeln.(1)
2. Einiges hat sich zum Besseren gewandelt. Wie Papst Johannes Paul II.
kürzlich bemerkte, ist "das erste positive Merkmal das wache Bewußtsein
sehr vieler Männer und Frauen von der eigenen Würde und der eines jeden
Menschen. Gleichzeitig breitet sich in der durch alle Art von Konflikten
entzweiten und verworrenen Welt die Überzeugung von einer tiefen
wechselseitigen Abhängigkeit aus und folglich auch die Forderung nach
einer Solidarität, die diese aufgreift und auf die moralische Ebene
überträgt".(2)
3. Vieles hat sich aber auch zum Schlechteren gewandelt. Neben
altbekannten Mißbräuchen sind neue Verletzungen der menschlichen Würde und
Rechte sowie christlicher Werte und Ideale aufgetreten. Auch hier tragen
die Medien einen Teil der Verantwortung.
4. Die Kommunikationsmedien sind hier beteiligt, weil sie nach der
Feststellung des Zweiten Vatikanischen Konzils "den Menschen wirksame
Hilfe bieten". Wenn das aber wahr ist, so ist ebenso sicher, daß "die
Menschen diese technischen Erfindungen gegen Gottes Schöpfungsplan und zu
ihrem eigenen Schaden mißbrauchen können".(3)
5. Unter den alarmierenden Entwicklungen der letzten Jahre ist das weit
verbreitete Anwachsen der Pornographie und mutwilliger Gewaltanwendung in
den Medien zu nennen. Bücher und Zeitschriften, Radioaufzeichnungen, Film,
Theater, Fernsehen, Videokassetten, Werbesendungen und sogar die
Telekommunikation stellen häufig gewalttätiges Verhalten oder eine
Freizügigkeit im sexuellen Verhalten dar, das offen pornographisch und
moralisch anstößig ist.
6. Als Äußerungen der dunklen Seite, der durch die Sünde verdorbenen
menschlichen Natur, sind die Pornographie und das Rühmen von
Gewaltanwendung jahrhundertealte Wirklichkeiten des menschlichen Daseins.
In den letzten fünfundzwanzig Jahren aber haben sie neue Dimensionen
erreicht und sind zu ernsthaften sozialen Problemen geworden. In einer
Zeit weitverbreiteter und unglückseliger Verwirrung bei den moralischen
Normen haben die Kommunikationsmedien Pornographie und Gewalt einer weit
größeren Hörerschaft zugänglich gemacht, auch Jugendlichen und sogar
Kindern - und was früher hauptsächlich auf die wohlhabenden Länder
beschränkt war, beginnt nun, durch die Kommunikationsmedien auch die
moralischen Werte in Entwicklungsländern zu zersetzen.
7. Damit vermögen die Kommunikationsmedien, die so wirksame Werkzeuge für
Einheit und Verständigung sein können, zuweilen auch zu Werkzeugen einer
entstellten Sicht des Lebens, der Familie, Religion und Moral zu werden -
eine Sicht, die die wahre Würde und Bestimmung der menschlichen Person
nicht achtet.(4) In vielen Teilen der Welt haben Eltern nicht nur ihre
verständliche Sorge über Filme, Videokassetten und Fernsehprogramme
ausgesprochen, die ihre Kinder sehen können, sondern auch über Tonträger,
die sie hören und die Veröffentlichungen, die die Kinder lesen können. Mit
Recht sind sie dagegen, daß die im Elternhaus eingeprägten moralischen
Ideale durch allzu leicht und an zu vielen Stellen zugängliches
fragwürdiges Material - oftmals auch durch die Kommunikationsmedien -
ausgehöhlt werden.
8. Wir möchten hier zunächst die schwerwiegenden Folgen der Pornographie
und Gewaltanwendung auf einzelne und auf die Gesellschaft beschreiben,
dann einige der Hauptgründe des Problems aufzeigen sowie abschließend die
notwendigen Schritte zu einer Besserung aufzeigen, die von den
Medienschaffenden, Eltern und Erziehern, von der Jugend und der großen
Öffentlichkeit, von den staatlichen Autoritäten und den Kirchen, den
religiösen Gemeinschaften und Gruppen im privaten Bereich unternommen
werden müssen.
AUSWIRKUNGEN DER PORNOGRAPHIE UND GEWALT
9. Die allgemeine Lebenserfahrung, gestützt durch weltweite Studien, hat
die schädlichen Auswirkungen der Pornographie und Gewalt in den Medien
längst erkannt.(5) Dabei wird die Pornographie in den Medien als
Verletzung des Rechtes auf die Privatsphäre des menschlichen Körpers in
seiner männlichen oder weiblichen Natur durch den Einsatz audiovisueller
Techniken verstanden, eine Verletzung, die die menschliche Person und den
menschlichen Körper zu einem anonymen Objekt des Mißbrauchs im Dienst
einer Befriedigung der Begierlichkeit erniedrigt; Gewalt in den Medien
aber kann - zumal in diesem Kontext - als eine Darstellung verstanden
werden, die grundlegende menschliche Instinkte zu Handlungen gegen die
Würde der Person anstachelt und dabei schwerste physische Gewaltanwendung
tief beleidigender und oft leidenschaftlicher Art zeigt. Fachleute mögen
darüber streiten, wie und in welchem Ausmaß Einzelpersonen und Gruppen von
diesem Phänomen betroffen sind, doch die großen Schwerpunkte des Problems
sind deutlich, klar und erschreckend.
10. Während niemand sich selbst als gegen die verderblichen Wirkungen der
Pornographie und Gewaltanwendung gefeit ansehen kann und sicher vor den
Angriffen derer, die unter ihrem Einfluß handeln, so sind Jugendliche und
unreife Menschen besonders verwundbar und werden sehr leicht zu ihren
Opfern.
Pornographie und sadistische Gewaltanwendung entarteter Sexualität
verderben die menschlichen Beziehungen, untergraben das Ehe- und
Familienleben, fördern antisoziales Verhalten und weichen den moralischen
Zusammenhalt der Gesellschaft auf.
11. Damit ist eine von den deutlichen Auswirkungen der Pornographie die
Sünde. Willentliche Beteiligung an der Herstellung oder Verbreitung dieser
schädlichen Produkte kann nur als ernsthaftes moralisches Übel bezeichnet
werden. Ebenso würde die Produktion und Verbreitung dieses Materials nicht
weitergehen, wenn es dafür keinen Markt gäbe. Wer also solches Material
benutzt, fügt nicht nur sich selber moralischen Schaden zu, er trägt auch
zur Fortsetzung dieses schändlichen Handels bei.
12. Häufiges Erleben von Gewaltanwendung in den Medien kann Kinder
verwirren, weil sie noch nicht klar zwischen Phantasie und Wirklichkeit
unterscheiden können.
Später kann Gewalttätigkeit in den Medien, besonders bei leicht
beeinflußbaren Personen, wie bei vielen Jugendlichen, dazu führen, dies
als normales und annehmbares Verhalten zu betrachten, das es nachzuahmen
gilt.
13. Man hat sogar behauptet, es könne eine psychologische Verbindung
zwischen Pornographie und sadistischer Gewaltanwendung geben, und manche
Pornographie ist selber nach Thema und Inhalt offensichtlich gewalttätig.
Wer sich solche Dinge anschaut oder sie liest, läuft Gefahr, diese
Haltungen und Verhaltensweisen für die eigenen Beziehungen zu übernehmen,
und verliert die Ehrfurcht und Achtung vor anderen als einmalige Kinder
Gottes sowie als Brüder und Schwestern der gleichen Menschheitsfamilie.
Die Verbindung zwischen Pornographie und sadistischer Gewaltanwendung
wirkt sich besonders bei jenen Menschen aus, die unter bestimmten
geistigen und seelischen Störungen leiden.
14. Selbst die sogenannte "weiche" Pornographie kann allmählich weniger
empfindsam und einzelne nach und nach moralisch taub und persönlich für
die Rechte und die Würde anderer unempfindlich machen.
Der Umgang mit Pornographie kann ferner - wie der Umgang mit Drogen - zur
Gewohnheit werden und einzelne dahin bringen, sich immer "härteres" und
perverseres Material zu verschaffen. Entsprechend unsoziales Verhalten
wird wahrscheinlich im Verlauf dieses Prozesses die Folge sein.
15. Pornographie kann ungesunde Vorstellungen in Phantasie und Verhalten
begünstigen. Sie kann das persönliche moralische Wachstum sowie die
Entwicklung gesunder und reifer Beziehungen, zumal im Ehe- und
Familienleben behindern, wo gegenseitiges Vertrauen und Offenheit sowie
persönliche moralische Integrität im Denken und Handeln so wichtig sind.
16. In der Tat kann sich Pornographie gegen den familienhaften Charakter
echt menschlichen sexuellen Verhaltens auswirken. Je mehr sexuelles Tun
als ein ständiges leidenschaftliches Streben nach persönlicher
Befriedigung statt als Ausdruck bleibender Liebe in der Ehe angesehen
wird, desto mehr kann Pornographie als ein Faktor gelten, der zur
Aushöhlung eines gesunden Familienlebens beiträgt.
17. In den schlimmsten Fällen kann Pornographie als Anregung oder
Verstärkung, als eine Art von Komplizenschaft für das Verhalten von
gefährlichen Sexualtätern dienen, die Kinder belästigen, entführen und
töten.
18. Eine fundamentale Auswirkung von Pornographie und Gewalttätigkeit ist
die Verachtung, die Betrachtung anderer als Objekte statt als Personen. So
können Pornographie und Gewalt Zärtlichkeit und Mitleid beseitigen, um
Gefühllosigkeit und sogar Brutalität zu fördern.
URSACHEN DES PROBLEMS
19. Ein wesentlicher Grund für die Verbreitung der Pornographie und
Gewaltanwendung in den Medien scheint eine verbreitete moralische
Freizügigkeit zu sein, die im Suchen nach persönlicher Befriedigung um
jeden Preis ihre Wurzel hat. Verbunden damit ist eine Art von
verzweifelter moralischer Leere, die den Sinnenrausch als einziges Glück,
das Menschen erreichen kann, betrachtet.
20. Eine Reihe von mehr unmittelbaren Gründen kann ebenfalls zur
Ausbreitung von Pornographie und Gewalttätigkeit in den Medien beitragen.
Unter ihnen sind zu nennen:
- das Profitdenken. Pornographie ist eine gewinnbringende Industrie.
Einige Bereiche der Kommunikationsindustrie sind tragischerweise der
Versuchung erlegen, menschliche Schwäche auszunutzen, darunter die
Schwäche junger und eindrucksfähiger Geister, um mit der Produktion von
Pornographie und Gewalttätigkeit Geld zu machen. In manchen Gesellschaften
bringt die Pornographie so viel Geld ein, daß sie mit dem organisierten
Verbrechen ein Bündnis eingegangen ist.
- schlechte Berufung auf Freiheit. Manche sagen, die Freiheit des
Ausdrucks der eigenen Person verlange eine Duldung der Pornographie,
selbst auf Kosten des moralischen Wohls der Jugendlichen und des Rechtes
aller Mitglieder der Gesellschaft auf eine Privatsphäre sowie auf eine
Atmosphäre öffentlicher Anständigkeit. Manche behaupten sogar
fälschlicherweise, der beste Weg zur Bekämpfung der Pornographie sei ihre
Legalisierung. Falsche Argumente mit der Freiheit werden zuweilen von
kleinen Gruppen in Beschlag genommen, die keineswegs die moralischen
Wertvorstellungen der Mehrheit vertreten und auch nicht anerkennen wollen,
daß jedes Recht eine entsprechende Verantwortung mit sich bringt. Das
Recht auf Freiheit des Ausdrucks existiert nicht im leeren Raum. Die
Verantwortung der Öffentlichkeit für die Förderung des Wohls der Jugend,
der Achtung vor den Frauen und für den Schutz der Privatsphäre sowie für
den öffentlichen Anstand zeigen, daß Freiheit nicht mit Beliebigkeit
gleichgesetzt werden darf.
- das Fehlen von sorgfältig vorbereiteten Gesetzen oder die unwirksame
Betonung von Gesetzen, die zum Schutz des Gemeinwohls und der Moral der
Jugend bereits existieren.
- Verwirrung und Gleichgültigkeit bei vielen Personen, einschließlich den
Mitgliedern von religiösen Gemeinschaften, die sich irrtümlich entweder
als von Pornographie und Gewalttätigkeit in den Medien nicht betroffen
fühlen oder als unfähig betrachten, zu einer Lösung des Problems
beizutragen.
ANTWORTEN AUF DAS PROBLEM
21. Die Verbreitung von Pornographie und Gewaltanwendung in den
Kommunikationsmedien tut dem Einzelnen und der Gesellschaft Unrecht und
schafft ein dringliches Problem, das von zahlreichen Personen und Gruppen
realistische Antworten verlangt. Die legitimen Rechte auf Freiheit des
Ausdrucks und des freien Informationsaustausches müssen geachtet werden
sowie das Recht des Einzelnen, der Familien und der Gesellschaft auf
Privatsphäre, auf öffentliche Anständigkeit und den Schutz der Grundwerte.
22. Wir sprechen im Folgenden von sieben Gruppen, die auf diesem Gebiet
Verantwortung tragen: von den Medienschaffenden, den Eltern, den
Erziehern, der Jugend, der breiten Öffentlichkeit, den staatlichen
Autoritäten sowie der Kirche und den religiösen Gruppen.
23. Die Medienschaffenden. Unfair wäre es, nahezulegen, daß alle Medien
und sämtliche in diesem Berufsfeld tätigen, in diesen schädlichen Handel
verwickelt sind. Viele unter ihnen erfüllen persönlich und beruflich hohe
Ansprüche und bemühen sich, ihrer Verantwortung in einer strengen Bindung
an moralische Normen und das Gemeinwohl gerecht zu werden. Ihr Bemühen
verdient Anerkennung und Ermunterung, zumal dann, wenn sie eine gesunde
Unterhaltung für die ganze Familie anzubieten suchen.
Wir fordern die Mitarbeiter im Bereich der Kommunikationsmedien dringend
auf, gemeinsam ethische Normen zu formulieren und anzuwenden, die Reklame
mit Respekt vor dem Gemeinwohl zu gestalten und eine gesunde menschliche
Entwicklung zu fördern. Solche Normen sind besonders für das Fernsehen
notwendig, das mit seinen Bildern direkt ins Haus eindringen kann, wo
Kinder oft allein und unbeaufsichtigt sind. Wirksame Selbstkontrolle ist
immer die beste Kontrolle, und eine Selbstregelung durch die Medien kann
die erste und beste Verteidigungslinie gegen jene sein, die die Medien und
die Gesellschaft selber verderben würden, indem sie mit Pornographie und
Gewalt Profit machen.
Wir fordern die Medienschaffenden dringend zur Mithilfe auf, um durch die
Medien jene Schritte bekannter zu machen, die man gegen die Flut der
Pornographie und die Verherrlichung von Gewalttätigkeit in der
Gesellschaft unternehmen kann.
24. Eltern. Eltern müssen mit doppeltem Eifer für die gesunde moralische
Formung der Kinder und Jugendlichen sorgen. Dazu gehört das Einprägen
gesunder Haltungen gegenüber der menschlichen Sexualität, die sich auf der
Achtung vor der Würde einer jeden Person als Kind Gottes, auf die Tugend
der Keuschheit und auf praktische Selbstbeherrschung gründet. Ein
wohlgeordnetes Familienleben, bei dem die Eltern sich selber und den
Kindern gegenüber selbstverständlich treu und hingebungsvoll sind, ist die
beste Schule zur Ausprägung gesunder moralischer Werte.
Heute muß man Kinder und Jugendliche heranführen, wie man die Medien
unterscheidend und als informierter Konsument benutzt. Zumal Eltern ihre
Kinder durch das Beispiel, das sie selbst geben beeinflussen; sind Eltern
dagegen den Medien gegenüber gleichgültig oder nachgiebig, dann geben sie
damit den Jugendlichen einen falschen und schädlichen Unterricht. Von
besonderer Bedeutung für die Jugendlichen ist das Beispiel, das ihre
Eltern von wahrer Liebe und Zärtlichkeit in der Ehe geben, und wenn sie
zur Diskussion von Dingen, die ihre Kinder interessieren, ebenso liebevoll
wie ungezwungen bereit sind. Man darf nicht vergessen, daß man bei der
Bildung des Menschen "mehr durch begründende Erklärung als durch Verbot
erreicht".(6)
25. Erzieher. Die Hauptmitarbeiter der Eltern bei der moralischen Bildung
der Jugendlichen müssen die Erzieher sein. Schulen und andere
Bildungseinrichtungen sollten die sozialen und ethischen Werte stützen und
einprägen, die die Einheit und Gesundheit der Familien und der
Gesellschaft fördern.
Besonders wertvoll sind Programme für Medienerziehung, die in den jungen
Menschen eine kritische Haltung und entsprechend ausgeprägte Fähigkeiten
entwickeln, mit denen sie ihren Konsum von Fernsehen, Radio und anderen
Medien steuern und Manipulationen widerstehen können, ferner rein passive
Hör- und Sehgewohnheiten zu vermeiden wissen.
Wichtig ist außerdem, daß die Schulen die Notwendigkeit der Achtung vor
der menschlichen Person, den Wert des Familienlebens und die Bedeutung
persönlicher moralischer Integrität betonen.
26. Jugend. Junge Menschen können selbst beim Kampf gegen die Flut der
Pornographie und Gewaltanwendung in den Medien mithelfen, wenn sie positiv
auf die Initiativen ihrer Eltern und Erzieher eingehen und für ihre
eigenen moralischen Entscheidungen bei der Auswahl ihrer Unterhaltung
Verantwortung übernehmen.
27. Die Öffentlichkeit. Auch das breitere Publikum muß seine Stimme
vernehmbar machen. Aufgeschlossene Bürger - Jugendliche eingeschlossen -
sollten einzeln und kollektiv den Produzenten, den interessierten Händlern
und den staatlichen Autoritäten ihre Ansichten bekannt machen. Dringend
notwendig ist ein ständiger Dialog zwischen Kommunikatoren und Vertretern
der Öffentlichkeit, so daß die mit den Kommunikationsmedien Befaßten mehr
über die wirklichen Bedürfnisse und Interessen derer erfahren, denen sie
dienen.
28. Staatliche Autoritäten. Gesetzgeber, Verwaltungsorgane, ausführende
Behörden und Juristen sollten das Problem der Pornographie und
Gewaltanwendung in den Medien erkennen und darauf reagieren. Wo sie
fehlen, müssen ausgewogene Gesetze erlassen, schwache verbessert und
vorhandene Gesetze durchgeführt werden.
Da die Produktion und Verteilung pornographischen Materials internationale
Auswirkungen hat, sind auch Aktionen auf regionaler, kontinentaler und
weltweiter Ebene notwendig, um diesen gefährlichen Handel zu
kontrollieren. Jene, die solche Initiativen bereits ergriffen haben,
verdienen Unterstützung und Ermutigung.(7)
Gesetzen und Gesetzgebern obliegt die heilige Pflicht, das Gemeinwohl zu
schützen, zumal es die Jugend und die am meisten verwundbaren Mitglieder
der Gesellschaft betrifft.
Wir haben bereits einige von den schädlichen Auswirkungen der Pornographie
und Gewaltanwendung genannt, und wir können feststellen, daß das
Gemeinwohl tatsächlich dort beeinträchtigt worden ist und weiter
beeinträchtigt wird, wo solches Material produziert, gezeigt und verteilt
wird, ohne daß eine verantwortliche Einschränkung oder Regelung erfolgt.
Staatliche Autoritäten müssen sich verpflichtet fühlen, alsbald tätig zu
werden, und das Problem aufzugreifen, oder dort, wo es vielleicht noch
kein dringendes Anliegen bildet, sein Aufkeimen zu verhindern.
29. Die Kirche und die religiösen Gruppen. Für die Kirche besteht die
erste Aufgabe in der ständigen und klaren Lehre des Glaubens und daher
auch der objektiven moralischen Wahrheit, eingeschlossen die Wahrheit über
die Sexualmoral. In einer Zeit des Permissivismus und der moralischen
Verwirrung erfordert dies, daß die Kirche zur prophetischen Stimme und oft
zum Zeichen der Widerspruchs wird.
Die sogenannte "Ethik" der unmittelbaren persönlichen Befriedigung steht
in grundsätzlichem Gegensatz zur integralen menschlichen Reife und
Erfüllung. Die Heranbildung für das Familienleben und für ein wirklich
verantwortliches Leben in der Gesellschaft erfordert auch eine Erziehung
zur Keuschheit und Selbstbeherrschung. Umgekehrt können Pornographie und
mutwillige Gewaltanwendung Menschen für das Bild Gottes in der
menschlichen Person blind machen, das Ehe- und Familienleben unterhöhlen
und einzelne sowie die Gesellschaft selber ernsthaft schädigen.
Wo immer es möglich ist, muß sich die Kirche mit anderen Kirchen,
Denominationen und religiösen Gruppen bei der Lehre und Förderung dieser
Botschaft zusammentun. Sie muß ferner von ihren eigenen Institutionen und
ihrem Personal den bestmöglichen Gebrauch machen, um für die Medien der
Sozialen Kommunikation und ihre besondere Rolle im persönlichen und
sozialen Leben zu erziehen und auszubilden. Besondere Aufmerksamkeit muß
der Hilfe für die Eltern bei ihrem Bemühen gelten.
Medienerziehung gehört daher in katholische Schulen und andere
Erziehungsprogramme hinein, in Seminare,(8) in die Ausbildungsprogramme
religiöser und weltlicher Institute, in die Weiterbildung der Priester
sowie in Pfarrprogramme für Jugendliche und Erwachsene. Priester und
Ordensleute in der Seelsorge- und Erziehungsarbeit sollten selbst
kritische Konsumenten der Medien sein, die mit dem, was sie lesen und
sehen, ein gutes Beispiel geben.
30. Eine bloße Zensur ausübende Haltung der Kirche den Medien gegenüber
ist weder ausreichend noch angebracht. Die Kirche sollte sich statt dessen
um ein ständiges Gespräch mit den verantwortlichen Kommunikatoren bemühen,
um sie bei ihrer Arbeit zu ermutigen und ihnen Hilfe anzubieten, wo diese
notwendig erscheint oder erbeten wird. Katholische Kommunikatoren und ihre
Berufsorganisationen können mit ihrer besonderen Kenntnis und Erfahrung
bei diesem ständigen Gespräch eine Schlüsselrolle spielen.
31. Wenn sie Produktionen und Veröffentlichungen in Übereinstimmung mit
klaren und zusammenhängenden moralischen Grundsätzen gewissenhaft
bewerten, können katholische Kritiker und Kommunikationsorganisationen
sowohl den Fachleuten der Kommunikation, als auch den Familien eine
wertvolle Hilfe bieten. Tatsächlich verdienen die in vorliegenden
kirchlichen Dokumenten dargelegten Richtlinien über die
Kommunikationsmedien, einschließlich der in letzter Zeit von zahlreichen
Bischöfen vorgelegten Gedanken zum Problem der Pornographie und Gewalt,
ein gründliches Studium und eine systematische Anwendung.
32. Dieses Dokument möchte die ausgesprochenen Sorgen der Familien und der
Hirten der Kirche aufgreifen und zu einer noch umfassenderen, ethischen
und praktischen Reflexion über das Problem der Pornographie und
Gewaltanwendung in den Kommunikationsmedien auffordern. Es möchte
abschließend alle ermuntern, der Mahnung des hl. Paulus zu entsprechen: "Laß
dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute" (Röm
12, 21).
Vatikanstadt, 7. Mai 1989, 23.
John Foley
Präsident
Msgr . Pierfranco Pastore
Sekretär
1)Communio et
progressio, 22.
2)Sollicitudo rei socialis, 26.
3)Inter mirifica, 2a.
4)Familiaris consortio; vgl. Johannes Paul II., Nr. 76; vgl. Botschaft zum
Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel vom 1. Mai 1980.
5)Siehe: 1) The Longford Report on Pornography (original title,
Pornography: the Longford Report), Ricerche-Mursia, Mailand (Italien),
1978; 2) Final Report of the Attorney Generals Commission on Pornography,
Rutledge Hill Press, Nasllville, Tennesse (U.S.A.), 198G; 3) ISPES (Istituto
di Studi Politici, Economici e Sociali), I e II Rapporto sulla Pornografia
in Italia, Rom (Italien), 1986 und 1988.
6) Communio et progressio, 67.
7) Die EWG (Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft), der Europarat und die
UNESCO sind u.a. in diesem Sinn tätig geworden.
8) Vgl. Kongragation für das katholische Bildungswesen, Leitlinien für die
Ausbildung der künftigen Priester in den Medien der Sozialen
Kommunikation, Vatikanstadt 1986. |